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13.05.2014

Alles Wurst - alles Banane?

Wenn sich der Durchschnittsösterreicher die Schlagzeilen der letzten Tage ansieht, dann könnte so etwas wie innerer Stolz aufkommen. Wir haben es geschafft. Österreich ist Sieger beim Song Contest 2014.

Alles Wurst oder alles Banane?

Wenn man sich als Durchschnittsösterreicher die Schlagzeilen der letzten Wochen ansieht, dann könnte so etwas wie innerer Stolz aufkommen. Wir haben es geschafft! Österreich ist Sieger beim Song Contest 2014!

Und darüber kann sich unser kleines Land ja freuen, das einmal nicht wegen prominenter Betrugsaffären, halblustiger politischer Entscheidungen oder sportlicher „Glanzleistungen“ in Europa und der restlichen Welt auffällt. Es tut gut, wenn man sich für sein Land in der Öffentlichkeit einmal nicht schämen muss, sondern etwas Positives berichtet wird. Fragt sich nur, worauf man bei diesem Sieg stolz sein soll. Auf den ersten Platz? Auf „den Künstlerin“, denn das Geschlecht spielt ja keine Rolle mehr? Es ist ja alles „Wurst“!

War es tatsächlich die musikalische Leistung, die Conchita Wurst zum Sieg gebracht hat? Die Meinungen darüber gehen auseinander.

Während laut ORF-Berichten für die „Bild“-Zeitung Conchita schon vor dem Finale als die „Siegerin der Herzen“ feststand, die norwegische Zeitung „Aftenposten“ den Sieg als einen Schlag ins Gesicht der Homophoben bezeichnet und Conchita nicht nur als bärtige Frau, sondern als „Königin Europas“ krönt, reagierte Russland mit Aussagen wie, dass dieser Sieg die “schlimmste Niederlage der Europäischen Union“ sei.

Dass der „Standard“ Conchitas Sieg mit „Das scheinbar Undenkbare ist wahr geworden“ kommentierte, war zu erwarten gewesen, aber selbst die „Presse“ lässt sich zu der Aussage hinreißen: „Conchita, jetzt bist du unsterblich“. Abwarten!

Kein neues Thema
Was für eine Welt, was für eine Gesellschaft. Wie tolerant sind wir wirklich? Welches Weltbild darf heute noch gedacht und geglaubt werden? Wo ist noch Platz für die persönliche Überzeugung, das Natürliche und den Hausverstand, wenn alles „Wurst“ ist?

Wenn wir Paulus für unsere Zeit und Gesellschaft noch ernst nehmen können, dann meinte er schon vor 2000 Jahren in seinem Brief an die Römer, dass der Mensch, der Gottes Wort bewusst ignoriert, zu einem Narr wird und sich dabei noch für weise hält (Röm 1,21f). Der Mensch ist sich nicht zu schade dafür, das Geschöpf zu seinem Gott zu erheben. Er geht sogar so weit, dass er bewusst die Wahrheit zur Lüge und die Lüge zur Wahrheit erklärt. Auch in paulinischen Zeiten war das Thema „sexuelle Orientierung“ gesellschaftsrelevant – zumindest im antiken Rom. Gott lässt es damals wie heute zu, dass das natürliche in das unnatürliche gekehrt wird (Röm 1,26f), mit all den daraus resultierenden Konsequenzen, wie es die Bibel bezeichnet, „den Lohn ihres Irrtums, den sie an ihren Leibern empfangen“.

Anders denken nicht gestattet!
Ein christliches Weltbild zu vertreten, noch immer an das Gesunde in einer heterosexuellen Beziehung zu glauben, ist nicht gleichzusetzen mit Homophobie. Es heißt nicht, dass man aktiv GEGEN andersorientierte Menschen vorgeht. In unserer modernen, aufgeklärten und fortschrittlichen Gesellschaft gewinnt man immer mehr den Eindruck von „Denken nicht gestattet! Du musst die Welt so sehen, wie ‘wirr’ sie dir darstellen.“ Unsere Schulen und Bildungszentren mögen viele neue und wertvolle Dinge entdeckt, aber den Hausverstand in manchen Fragen verloren haben.

Von Toleranz und Vielfalt ist die Rede, dem Eindruck nach ist aber nur Uniformität und Gleichschaltung erwünscht. Man spricht von Meinungsfreiheit, doch stellt der aufmerksame Beobachter fest, dass nur bestimmte Meinungen zugelassen, gedacht, gedruckt, gewollt und gestreamt werden. Alles Wurst – oder – alles Banane!

Alles erlaubt, …
Alles ist erlaubt – ein Slogan der Gegenwart. Aber so neu ist diese Aussage gar nicht. Selbst Paulus, als konservativer Jude, sagte das, nur mit einem Zusatz: „aber nicht alles dient zum Guten“ (1 Kor 6,12).

Ja, alles ist uns erlaubt, aber nicht alles ist zwangsläufig gut. Es ist erlaubt, von einem Hochhaus zu springen, aber ohne Fallschirm wird die Landung etwas hart ausfallen. Das sagt uns der „Hausverstand“, der durch persönliches Beobachten und das Sammeln wichtiger Lebenserfahrungen sowie die Erfahrungswelt anderer geprägt wird. Könnte das auf andere Lebensumstände und Verhaltensweisen auch zutreffen? Wie viel darf mir der Hausverstand noch mitteilen und wann muss ich ihm zurückmelden: „sorry, du irrst!!!“?

Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Gott hat uns den Verstand gegeben sowie sein Gesetz in unser Herz geschrieben (Röm 2,15). Er möchte, dass wir denken, vergleichen, beobachten und diese besondere Gabe vernünftig einsetzen.

Eine weise Frau hat schon Anfang des 20. Jahrhunderts etwas Wesentliches formuliert:

„Gott hat dem Menschen nicht nur den Verstand gegeben, sondern wünscht sich auch, dass er sich seiner in dem von Gott vorgesehenen Rahmen bedient.“ – E. G. White, Erziehung, S. 39 (1903)

Intolerante Toleranz
Paulus macht keinen Hehl daraus. Im dritten und vierten Kapitel seines zweiten Briefes an Timotheus beschreibt er, mit prophetischem Auge sehend, unsere Zeit als eine, in der selbst „geistlich“ wirkende Menschen die heilsame Lehre nicht ertragen (2

Tim 4,3). Ja, heute ist alles „Wurst“, morgen vielleicht alles „Banane“, mit all den daraus resultierenden, selbsterwählten Konsequenzen. Das Prinzip von Ursache und Wirkung bleibt als feststehende Gesetzmäßigkeit erhalten. Ob wir es glauben oder nicht.

Als bibelgläubiger Christ fühlt man sich in dieser gesellschaftlichen Denkkultur immer mehr an den Rand gedrängt. Mann und Frau Christ, die das Wort Gottes noch ernst nehmen, müssen sich vor Aussagen wie „extrem, fundamentalistisch, diskriminierend“ oder Ähnlichem regelrecht fürchten, wenn er/sie auf der Uni, im Büro oder beim Geschäftsessen über sein/ihr persönliches Weltbild spricht, selbst wenn es überhaupt nicht beabsichtigt ist, jemanden damit zu kritisieren. Allein das andere Denken wird vielfach als Angriff gewertet, als ein „DAGEGEN“ anstelle von „ANDERS“. Ja, so tolerant ist die Toleranz der Gegenwart.

Leben wir vielleicht doch in einer binären Welt? Gibt es am „Ende“ doch wieder nur 1 und 0, schwarz oder weiß, richtig oder falsch, dafür oder dagegen, sein oder nicht sein? Wie viel Spielraum bleibt wirklich, wenn es um die Frage der Treue geht? Entweder du ergibst dich dem Druck der Gesellschaft und stimmst ein in den antigöttlichen Ruf: „Alles ist Wurst, Hauptsache nicht Gott!“, oder du stimmst ein in den Ruf: „Heute wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht – lasst euch versöhnen mit Gott!“ (Hebr 3,15; 2 Kor 5,20b). Gibt es ein Dazwischen? Offensichtlich nicht. Am Ende triffst du die Entscheidung! Triff die Richtige!!!

Reinhard Schwab ist Jugendsekretär der Österreichischen Union